Am 14. November 2025 um 15:20 Uhr halte ich eine Präsentation mit dem Titel „Pussy Riot – FEMEN – Viktoria Lomasko. Frauenprotest und das Plakat ‚Free Pussy Riot. Vertreibe Putin!‘“ im Rahmen des Online-Workshops „Die Macht der Straße. Politik und Ästhetik des Plakats“.
Der Zoom-Link ist auf der Website des Karlsruher Instituts für Technologie zu finden.

Pussy Riot — FEMEN — Viktoria Lomasko.
Frauenprotest und Plakat „Free Pussy Riot. Vertreibe Putin!“
2011–2013 war eine Zeit aktiver Proteste in Russland gegen die Wiederwahl Putins für eine dritte Amtszeit, die von viel beachteten Gerichtsprozessen gegen die Opposition begleitet wurde. Unter ihnen ragte der Prozess gegen die Gruppe Pussy Riot heraus, der weltweit eine Welle der Solidarität auslöste. Um die inhaftierten Aktivistinnen zu unterstützen, organisierten bekannte Hamburger Punkbands ein Konzert unter dem Motto «Free Pussy Riot. Vertreibe Putin!».
Das Plakat dafür wurde von Irina Khanova, Gründerin von FEMEN in Deutschland und «Wut-Designerin«, entworfen. Für das Bild auf dem Plakat wurde das Werk der russischen Künstlerin Victoria Lomasko, Autorin der Zeichnungen für das Buch «Verbotene Kunst» ausgewählt. Auf diesem einen Plakat kamen somit gleich drei pulsierende Ereignisse der feministischen Welle des postsowjetischen Raums zusammen, die Straßenaktivismus und Provokation als Methode ihrer Kunst oder ihres politischen Aktivismus wählten.
Dennoch wiesen die politischen Programme aller drei erhebliche Unterschiede auf, vor allem in ihrem Streben nach internationalem Einfluss. Während die ukrainischen FEMEN nationale Ableger gründeten, die sich lokalpolitisch engagierten, konzentrierte sich Pussy Riot nach ihrer Freilassung weiterhin hauptsächlich auf die Kritik am politischen Regime in Russland – allerdings zunehmend aus dem Ausland. Victoria Lomasko wählte zunächst den herausfordernden Weg, den postsowjetischen Zustand der russischen Gesellschaft durch grafische Reportagen zu erkunden. Später weitete sie ihre Berichterstattung auf andere postsowjetische Länder aus. In der Zeit des Krieges verlagerte sich ihre Tätigkeit jedoch vollständig ins Ausland, wo ihre internationale Popularität erheblich zunahm.
In meinem Vortrag möchte ich die Geschichte des Plakats „Free Pussy Riot. Vertreibe Putin!“ analysieren und darüber nachdenken, was den Frauenprotest damals einte und wohin die Wege der unmittelbar Beteiligten später führten. Ein wichtiger Punkt meiner Überlegungen wird sein, wie genau die Grafik zu einem Ausdruck des Frauenprotests wurde. Schließlich spielten Slogans, Schriften und grafische Reportagen neben performativen Praktiken eine zentrale Rolle in der Protestpraxis. Femen kombinierten ihre Aktionen mit politischen Slogans, die auf den Körpern der Aktivistinnen angebracht wurden, während Lomasko eine Grafikserie über Pussy Riot schuf, mit der anarchistischen Straßenzeitschrift «Volya» zusammenarbeitete und anschließend ein Buch veröffentlichte. Interessant ist, dass Pussy Riot selbst sich mehr auf ihre Medienwirksamkeit und kommerzielle Projekte konzentrieren und die Wirkung der Grafik im Protest nur wenig nutzen.



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