Am 6. Dezember spreche ich auf dem Online-Symposium Antisemitische Symbole in Kunstobjekten: (Anti-)Kapitalistische Kontexte und gesellschaftliche Wirkungen mit einem Vortrag über «Leo Trotzki in den Karikaturen von Victor Deni. Antisemitismus im stalinistischen Kampf gegen den Trotzkismus».
Weitere Informationen demnächst auf der Website der TU Berlin.
Leo Trotzki in den Karikaturen von Victor Deni.
Antisemitismus im stalinistischen Kampf gegen den Trotzkismus.
Abstract
Der staatliche Antisemitismus in der UdSSR hat eine lange Geschichte. Er begann mit dem stalinistischen Antisemitismus, der sich in der Zerschlagung des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und der „Ärzteverschwörung“ manifestierte, und setzte sich nach Stalins Tod fort, als der Holocaust totgeschwiegen wurde und antiisraelischer Antisemitismus die sowjetische Außenpolitik dominierte. Stalins Antisemitismus war jedoch nie offen, sondern wurde stets als Kampf gegen Volksfeinde oder Spione getarnt, sei es mit Schlagworten wie „trotzkistisch-bucharinistische Banden“, „Mörder-Ärzte“ oder „Kampf gegen den Kosmopolitismus“. Diese Ausdrücke waren und sind Euphemismen, die auf die sowjetischen antijüdischen Kampagnen hinweisen.
In meinem Vortrag werde ich Bilder von Leo Trotzki diskutieren, die von dem sowjetischen Karikaturisten Victor Deni geschaffen wurden, der Trotzki 20 Jahre lang zeichnete — zuerst als Held der Revolution, später als Feind und Verräter. Denis Bilder aus den 1930er Jahren riefen offen zum Mord an Trotzki und seinen Anhängern auf. Tatsächlich wurde Trotzki 1940 in Mexiko von dem stalinistischen Agenten Ramón Mercader ermordet. Leo Trotzkis Sohn Sergej Sedow war bereits 1937 in Krasnojarsk erschossen worden. In den Tagen des Großen Terrors wurden Tausende von Sowjetbürger:innen des „Trotzkismus“ beschuldigt und entweder hingerichtet oder in den Gulag geschickt.
Eine wichtige Rolle bei der Dämonisierung Trotzkis spielten antisemitische Stereotype, über die Trotzki selbst in seinem Artikel „Thermidor und Antisemitismus“ schrieb. Diese Stereotype finden sich auch in den Darstellungen von Victor Deni. In diesen Darstellungen wird Trotzki zur Personifizierung der antisowjetischen Bewegung und zum angeblichen Verbündeten Nazideutschlands, was eine klare Verleumdung und Verunglimpfung darstellt.

Das Transparent „Vernichten wir die Feinde des Volkes — trotzkistisch-bucharinische Spione und Saboteure, angeheuert von ausländischen faschistischen Geheimdiensten! Tod den Verrätern des Vaterlandes!“ (Искореним врагов народа — троцкистско-бухаринских шпионов и вредителей, наймитов иностранных фашистских разведок! Смерть изменникам родины!)
Fotoarchiv der Zeitschrift «Ogonek» / Фотоархив журнала «Огонёк»


Bilder: Viktor Deni, 1930 und Sergey Senkin, 1924.
Pressespiegel
Birgit Rieger: Christusmörder, Raffzahn, Weltverschwörer: Was tun mit antisemitischen Bildern in der Kunst? Tagesspiegel, 10.12.2024.
Booklet




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